Was kostet Bezahlen wirklich? Die Kosten von Karte, TWINT und Bargeld im Detailhandel.
Andrea Kistler

Digitale Zahlungen wachsen – aber sie sind nicht kostenlos
Kartenzahlungen, Mobile Payment und Apps wie TWINT gehören heute zum Alltag im Schweizer Detailhandel. Für Kundinnen und Kunden bedeutet das vor allem Komfort, Geschwindigkeit und Flexibilität. Für den Handel zeigt sich jedoch eine andere Realität: Jede bargeldlose Zahlung verursacht Kosten – und diese summieren sich.
Was Händler:innen bei Kartenzahlungen tatsächlich bezahlen
Bei jeder Zahlung mit Debit- oder Kreditkarte fallen sogenannte Merchant Fees an.
Diese setzen sich unter anderem zusammen aus:
- Interchange Fees (an die Bank des Kunden)
- Gebühren für Zahlungsdienstleister
- Terminal- und Servicekosten
In der Schweiz liegen die Interchange Fees aktuell bei:
- Debitkarten: ca. 0.12 % bis 0.2 % 1
- Kreditkarten: rund 0.44 % 2
Je nach Anbieter, Vertragsmodell und Transaktionsart können zusätzliche Kosten anfallen. Besonders relevant: Gerade bei kleinen Beträgen steigt der Kostenanteil pro Transaktion deutlich.
TWINT: praktisch für die Kundschaft – differenziert für den Handel
TWINT ist heute die meistgenutzte Bezahl-App der Schweiz – und aus Kundensicht kaum mehr wegzudenken. Für Händler ist die Kostenstruktur jedoch differenziert: ca. 1.3 % pro Transaktion bei QR-Zahlungen 3
Je nach Integration vergleichbar mit Debitkarten oder darüber, entscheidend ist der Use Case:
Bei kleineren Beträgen fällt zwar keine Mindestgebühr an, gleichzeitig kann der prozentuale Anteil spürbar sein. Was für Kundinnen und Kunden äusserst bequem ist, ist für Händler:innen nicht automatisch die kostengünstigste Option.
Bargeld: anders teuer – und weiterhin zentral im Alltag
Bargeld hat einen klaren Vorteil: Es verursacht keine direkten Transaktionsgebühren.
Die Kosten entstehen jedoch an anderer Stelle:
- Zählen und Handling
- Einzahlungen und Bargeldlogistik
- Transport und Sicherheit
- Infrastruktur wie Kassen, Safes oder Geldautomaten
Ein grosser Teil dieser Kosten sind Fixkosten, die unabhängig vom Transaktionsvolumen anfallen. Das bedeutet in der Praxis: Je weniger Bargeld genutzt wird, desto höher werden die Kosten pro Transaktion.
Gleichzeitig zeigt der Swiss Payment Monitor 4: Bargeld gehört in der Schweiz weiterhin zu den meistgenutzten Zahlungsmitteln und liegt bei Bezahlungen vor Ort nahezu gleichauf mit Debit-Kartenzahlungen.
👉 Für Händler:innen bedeutet das:
Bargeld ist nicht nur Kostenfaktor, sondern bleibt relevant für das Kundenerlebnis und die Zahlungspräferenzen.
Und genau hier entsteht der Hebel - Mit modernen Cash-Management-Lösungen lassen sich Bargeldprozesse gezielt optimieren und Kosten reduzieren:
- weniger manueller Aufwand
- höhere Prozesssicherheit
- effizientere Abläufe im Front- und Backoffice
Bargeld wird damit nicht verdrängt – sondern wirtschaftlich steuerbar und strategisch nutzbar.
Warum Payment zur strategischen Entscheidung wird
Die Wahl der Zahlungsarten hat direkten Einfluss auf Margen, Effizienz und Kundenerlebnis.
Detailhändler:innen, die ihre Zahlungsprozesse aktiv steuern, können:
- Kosten gezielt optimieren
- Abläufe effizienter gestalten
- und gleichzeitig ein modernes Einkaufserlebnis bieten
Payment ist damit längst nicht mehr nur eine technische Frage – sondern eine strategische.
Fazit
Digitale Zahlungen wachsen – doch sie sind nicht kostenlos. Bargeld bleibt eine wichtige Ergänzung im Zahlungs-Mix: Nicht trotz, sondern gerade wegen seiner steuerbaren Kostenstruktur.
👉 Entscheidend ist nicht „Cash oder Karte“.
👉 Entscheidend ist eine intelligente Kombination, die Kosten, Effizienz und Kundenerlebnis in Balance bringt.
Quellenangaben:
1 bag.admin.ch
2 swiss-payment-association
3 twint.ch
4 Swiss Payment Monitor
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